MONIKA RIENOESSL

Ist das, was ich als Wirklichkeit wahrnehme, wie sich die Wirklichkeit meinen Sinnesorganen präsentiert, schon das Sein, sind die Dinge tatsächlich so, wie sie mir erscheinen, oder steckt hinter dieser Wirklichkeit, womöglich eine ganz andere, die es überhaupt erst aufzuspüren und zu erkennen gibt?
Motiviert ist diese Frage durch die bewusst gemachte Erfahrung der Veränderlichkeit und Flüchtigkeit der sinnlich wahrnehmbaren Welt.
Ich will hinter die Welt des Sicht- und Wahrnehmbaren gelangen, mein Interesse besteht an der prozessualen Weiterentwicklungen, der Veränderung des vorhandenen, eine Aufhebung von Grenzen.
Ich setze mich mit den nicht-greifbaren, der Entfremdung und Sprachlosigkeit aus, ich erlaube mir multiple Betrachtungsstandpunkte einzunehmen und sie gelten zu lassen. Auch wenn sich diese widersprechen oder vielleicht genau deswegen. Die Motive sind die allgegenwärtigen Zeichen, banale Momente, Erinnerungen, Rituale im alltäglichen.
Meine Wahrnehmungen werden in Symbolbedeutungen verarbeitet die durch eine vielfältige Verflechtung von einerseits dem Material und andererseits mit Hilfe von Reduktion, Abstraktion entstehen.




Die Arbeiten „SCHATTENSÄULE“ fangen einen Augenblick, einen oft übersehbaren Moment einer Person, Haltung, Gestik ein.
Der Schatten aus psychologischer Sicht stellt das Gegenstück zum Archetyp der Persona dar und steht daher für die negativen, sozial unerwünschten und daher unterdrückten Züge der Persönlichkeit, für jenen Teil des „Ich“ der wegen gesellschaftsfeindlicher Tendenzen in das Unbewusste abgeschoben wird. Der Schatten wächst parallel zur Person, gleichsam als deren „Spiegelbild“. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Schatten, seine "Integration" in die Gesamtpersönlichkeit", zählt nach Jung indes zu den zentralen Aufgaben des menschlichen Reifeprozesses und stellt einen unabdingbaren Schritt auf dem Weg zur Ganzwerdung ("Individuation") dar. Auf einer alltäglicheren Ebene entspricht dem auch die bekannte Wendung "über seinen Schatten springen". Daneben kann es aber, vor allem wenn die Integration des Schattens unterbleibt, auch zu seiner Projektion nach außen, auf andere Personen oder Gruppen, kommen, auf diese Weise entstehen u.a. Vorurteile.
Die Säulen sind wahrnehmbare Zeichen, die etwas nicht Wahrnehmbares vertreten. In jedem wecken sie ein anderes Bild, das eventuell nicht aussprechbar ist und es nur bei einen Gefühl bleibt.



Eine weitere Arbeit mit dem Titel „CODE“ - Tonplatten in einen Rahmen fixiert die einzeln drehbar sind, auf den einzelnen Platten sind unterschiedlich große Halbkugeln. Auf den ersten Blick erinnert es an die Braille-Schrift. Diese Schrift arbeitet mit Punktmustern, die von hinten in das Papier gepresst sind, so dass sie als Erhöhung mit den Fingerspitzen abgegriffen werden können. Sechs Punkte, drei in der Höhe mal zwei Punkte in der Breite, bilden das Raster für Kombinationen, mit denen die Buchstaben dargestellt werden. Das Lesen erfolgt also mit dem Tastsinn der Finger.
Trotz der Einfachheit des Stückes entsteht durch die Interaktion des Betrachters – drehen einer Platte – eine Vielfalt und Komplexität.
Doch es soll nicht nur zur Information dienen sondern zur Kommunikation. Sprache entsteht aus aneinander gereihten Buchstaben um Inhalte zu vermitteln, aber sie dient nicht nur zu Daten-, sondern auch zur Empfindungsübertragung.
Falls man CODE entschlüsseln möchte ist man gezwungen in die Welt der Zeichen einzudringen. Ein Nichteindringen entledigt einen sicher einer schwierigen Arbeit, beraubt einen aber auch der Möglichkeit, Fragen zu stellen, der Stimme des Unbewussten zu lauschen.
Da sich dieses Erkennen und Erklären nur auf sich selber bezieht, reagiert oder entschlüsselt sie nicht die Außenwelt.



Statische Elemente geraten in Bewegung, Raum und Zeit werden gedehnt, Bildelemente und Konturen verschwimmen und modellieren eine neue Einheit. Alles scheint mit allem in Verbindung zu stehen durch ein Fluidum von Licht und Farben. Als befinde sich die Welt selbst in einem neuen Aggregatzustand und alles Materielle sei im Begriff, sich fließend und pulsieren zu verändern.
In diesen Arbeiten habe ich die Bewegung ins Bild gebracht, wobei ich eine längere Belichtungszeit wähle und die Kamera selbst im Moment der Aufnahme bewege. Auf diese Weise verlieren sich die Konturen zugunsten eines Zerfließens von Farbe und Form, der vertraute Erkennungsparameter wird transformiert. Zeit drückt sich hier direkt in Bewegung aus.



Durch die Auslöschung der Details, ja eine geradezu Eliminierung der Orts spezifischen und sozialen Informationen einer Umgebung, erreiche ich den Eintritt in den rein assoziativen Raum.
Das Individuum als Teil eines unendlichen Raumes und einer unendlichen Zeit, wo Raum und Zeit verschmelzen. Das alltägliche, gewöhnliche und irdische verbannen, einen grenzenlosen Horizont schaffen. Es ist eine Loslösung von der Welt der Objekte, minimalistische Veduten in denen das Vokabular der visuellen Zeichen auf das absolut notwendige Minimum reduziert wird.
























Schattensäule




















Code





















Straßenlichter












Leute